Stand­punkt

„Krieg dem DFB!“ Was soll­te die­ser Spruch? Die­se Fra­ge stel­len sich in die­sen Tagen zahl­rei­che Men­schen in Dres­den und über die Stadt­gren­zen hin­aus. Was genau wol­len wir Ultras mit die­sem Spruch bezwe­cken und war­um muss­te so ein Auf­tritt sein?

Bevor wir unse­re Moti­va­ti­on erklä­ren, gleich vor­ab, damit es auch alle kapie­ren. Unse­re Mot­to­fahrt hat­te nie­mals das Ziel, Men­schen zu ver­let­zen. Wir legen Wert auf eine Tren­nung zwi­schen dem Auf­tritt im Camou­fla­ge-Mus­ter und unse­rer Pro­vo­ka­ti­on gegen­über dem DFB einer­seits und dem Vor­fäl­len am Ein­gang des Sta­di­ons. Genau­so deut­lich möch­ten wir all denen eine Absa­ge ertei­len, die in unse­rem Marsch irgend­wel­che rechts­ex­tre­men Ten­den­zen sehen. Und allen Tritt­brett­fah­rern möch­ten wir sagen: Fickt euch!

Als fünf Tage vor unse­rem Gast­spiel in Karls­ru­he der KSC zu einem „Geis­ter­spiel“ ver­ur­teilt wur­de, war für uns sofort klar, dass wir uns soli­da­risch zei­gen müs­sen. Seit­dem die Ver­hand­lun­gen über Pyro­tech­nik sei­tens des DFB abrupt abge­bro­chen wur­den, dre­hen sich der Ver­band sowie Ver­ei­ne und Fans im Kreis. Lösungs­an­sät­ze, wie man ver­nünf­tig mit der akti­ven Fan­sze­ne in Deutsch­land umgeht, gibt es nicht. Dem DFB wäre es am liebs­ten, dass die­ses gan­ze unbe­que­me Publi­kum für immer ver­schwin­det, damit die Geld­druck­ma­schi­ne Fuß­ball schön wei­ter wie geschmiert läuft, ohne zu stot­tern. Die meis­ten Ver­ei­ne sehen es genau­so und zie­hen mit, denn der Rubel rollt ja. Wer sich artig ver­hält, bekommt genug vom Kuchen ab. Die ers­ten Leu­te wen­den sich mitt­ler­wei­le schon vom Fuß­ball ab und die Zei­ten, als jedes Freund­schafts­spiel der Natio­nal­mann­schaft aus­ver­kauft war, sind vor­bei. Der DFB ist, wie man so schön sagt, eine Mot­ten­kis­te —  kei­ne Krea­ti­vi­tät, kein fri­sches Blut, kei­ne inno­va­ti­ven Ideen, kein Kon­takt zur Basis, kein Kon­takt zu den Fans. Wich­ti­ger ist das Drei-Gän­ge-Menü in der VIP-Lounge. Die Zei­ten, in denen Fuß­ball­le­gen­den beim DFB gear­bei­tet haben, sind vor­bei.  Die Pos­ten schie­ben sich mitt­ler­wei­le Poli­ti­ker zu. Und selbst da wird mit har­ten Ban­da­gen gekämpft und wer zu weich ist, ver­liert den Kampf.
Wie bereits ange­spro­chen ist das gro­ße Pro­blem, dass der DFB und die akti­ven Fan­sze­nen seit meh­re­ren Jah­ren nicht mehr mit­ein­an­der spre­chen son­dern nur noch über­ein­an­der. In einem so fort­schritt­li­chen Land wie Deutsch­land ist das ein abso­lu­tes Armuts­zeug­nis. Es gibt über­all auf der Welt Kon­flik­te. Die meis­ten kön­nen gelöst wer­den, weil man mit­ein­an­der redet.  In unse­rem Kon­flikt exis­tiert seit Jah­ren kei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on mehr. Was dar­aus wird, kann man im Sta­di­on gut beob­ach­ten. Die eine Sei­te zün­det was das Zeug hält und geht ihren eige­nen Weg, wäh­rend die ande­re Sei­te die Ver­ei­ne bestraft. Mitt­ler­wei­le wer­den Stra­fen nicht mehr nur für das Zün­den von Pyro ver­hängt, son­dern auch für Spruch­bän­der mit Inhal­ten, wel­che eigent­lich unter die freie Mei­nungs­äu­ße­rung fal­len. Unzäh­li­ge Bei­spie­le könn­ten auf­ge­führt wer­den. Aktu­ell bekommt jeder Ver­ein eine Stra­fe für Äuße­run­gen sei­ner Fans gegen RB Leip­zig und gegen den Ver­band selbst. Die Ver­ei­ne sind der letz­te Puf­fer zwi­schen den Fron­ten und alles wird auf ihrem Rücken aus­ge­tra­gen. Mitt­ler­wei­le befin­det sich die Fuß­ball­sze­ne in einer Dik­ta­tur. Es wird vom Ver­band kei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on, kei­ne freie Mei­nungs­äu­ße­rung, kei­ne Dis­kus­si­on über schwie­ri­ge The­men wie Pyro­tech­nik im Sta­di­on zuge­las­sen. Doch ganz los­las­sen von den ULTRAS kann man dann doch nicht, denn Stim­mung sol­len wir schon machen und Cho­reo­gra­fien dür­fen auch ger­ne gebas­telt wer­den. Das Gan­ze soll aller­dings nur im gewünsch­ten Rah­men statt­fin­den. Und den gibt selbst­ver­ständ­lich der DFB vor. Der Pöbel darf also die Rei­chen belus­ti­gen, soll aber sei­ne Schnau­ze hal­ten und Wün­sche und Anre­gun­gen für sich behal­ten, denn für die­se ist kein Platz.

 

Was also machen wir nun? Soll das ewig so wei­ter gehen? Hof­fent­lich nicht! Es muss wie­der Ver­nunft ein­keh­ren und mit­ein­an­der statt über­ein­an­der gere­det wer­den. Doch wie erreicht man einen Ver­band, den offen­sicht­lich jede Kom­mu­ni­ka­ti­on scheiß egal ist? Wie erreicht man eine gro­ße und brei­te Öffent­lich­keit, die zum gro­ßen Teil kei­ne Ahnung von die­sem Kon­flikt hat oder haben will? Wie kommt es zur nöti­gen Auf­merk­sam­keit, um ordent­lich Druck in den Kes­sel zu bekommen?
Video­bot­schaf­ten an den DFB, Leser­brie­fe und Tex­te auf einer Home­page sind ein­fach nur Zeit­ver­schwen­dung. Das wird igno­riert und abge­tan, als eine wei­te­re Bot­schaft einer läs­ti­gen Min­der­heit in die Abla­ge gelegt. Nein, ganz offen­sicht­lich brauch es die größt­mög­li­che Pro­vo­ka­ti­on, damit die Leu­te end­lich kapie­ren, dass es so nicht wei­ter­ge­hen kann!
Wir hat­ten einen Schuss frei und genau die­ser Schuss muss­te sit­zen. Was gab es da bes­se­res, als die­ses KSC-Spiel. Unser Mot­to pass­te an die­sem Tag per­fekt. Das Wort Krieg mag für man­chen zu weit gehen.  Für uns ist die­ser Aus­druck die Über­spit­zung, die es benö­tigt, damit unse­re Situa­ti­on wahr­ge­nom­men wird, als das was sie ist. Ein Kampf! Ein Kampf, der nicht erst seit ges­tern geführt wird und mitt­ler­wei­le jen­seits von gut und böse ist. Des­halb wur­den spek­ta­ku­lä­re Bil­der gelie­fert, um die brei­te Öffent­lich­keit und die Medi­en dar­auf auf­merk­sam zu machen. Ganz offen­sicht­lich hat das funktioniert.

 

Was wol­len wir nun eigent­lich von die­sem gro­ßen Ver­band und von der Politik?

Wir haben die Schnau­ze voll, wie Affen in einem Käfig gehal­ten zu wer­den. Wir sind eine Jugend­kul­tur und brau­chen Luft zum Atmen. Wie im gesell­schaft­li­chen Leben wer­den auch beim Fuß­ball Feh­ler gemacht. Es wer­den Gren­zen aus­ge­tes­tet oder sich bloß auf die Nase gehau­en. Der Reiz an dem, was man nicht tun darf, ist immer da und wird immer bleiben.

Was also brin­gen die­se gan­zen Ver­bo­te, Ein­schrän­kun­gen und Bestra­fun­gen? Nichts, sie bewir­ken das kom­plet­te Gegen­teil von dem, was der Ver­band sich erhofft. Wir müs­sen zuse­hen, wie ein Herr Grin­del vor drei Wochen im VIP-Bereich des Rudolf-Har­big-Sta­di­ons jedem die Hand schüt­telt. Hät­te er die Zeit nicht nut­zen kön­nen, um auf die Basis, die Fans, zuzu­ge­hen? Was haben die Leu­te für Pro­ble­me? Wie kann man den Leu­ten hel­fen? Was wol­len die­se Leu­te eigent­lich und war­um machen sie so viel für ihren Ver­ein? Die­se Zwei­klas­sen­ge­sell­schaft zieht sich wie ein Roter Faden durch die­ses gan­ze Land. Die Kluft zwi­schen Arm und Reich wird immer grö­ßer, genau wie die Kluft zwi­schen Ver­band, Ver­ei­nen und Fans. Die Sor­gen und Nöte nimmt man nicht ernst und des­halb müs­sen radi­ka­le Schrit­te her, damit man uns end­lich wie­der zuhört. Wir wol­len die­sen kom­mer­zi­el­len Weg nicht mehr mit­ge­hen. Die Gren­ze ist erreicht.

Kor­rup­te Ver­bän­de regie­ren unse­ren Sport und jeder angeb­lich sau­be­re Neu­an­fang stinkt schon kur­ze Zeit spä­ter wie­der zum Him­mel. Über­all macht man sich die Taschen voll. Bei uns Fans wer­den mitt­ler­wei­le kleins­te Fehl­trit­te mit dra­ko­ni­schen Stra­fen sank­tio­niert, aber über eige­ne Ver­feh­lun­gen hüllt man den Man­tel des Schweigens.
Auch der Sport selbst bleibt von die­ser Ent­wick­lung nicht ver­schont. Es gibt kaum noch Spie­ler, die zu einem Ver­ein wech­seln, weil sie dort gern hin möch­ten und dar­auf bren­nen, dort zu spie­len. Die Bran­che wird von Bera­tern regiert, die Spie­ler han­deln, als wären sie ein Spiel­zeug. Nach­wuchs­spie­ler wer­den schon im Kin­des­al­ter gedrillt und auf die gro­ße Kar­rie­re vor­be­rei­tet. Doch die meis­ten Kin­der wer­den ver­heizt und schaf­fen es nicht zum Pro­fi. Und was ist danach? Die gesam­te Kind­heit haben die­se Kin­der ver­passt, weil sie einem Luft­schloss hin­ter­her geei­fert haben. Der Ver­band und die Poli­tik gucken ein­fach nur zu, wie der nächs­te 18-Jäh­ri­ge mit einer Mil­li­on im Jahr nach Hau­se geht und sich dann wun­dert, war­um er spä­ter im Leben nicht mit Geld umge­hen kann, spiel­süch­tig wird oder ein­fach nur trinkt. Wir wol­len, dass ihr die Pro­ble­me ansprecht, die es wirk­lich gibt. Es wird Zeit das ihr mit die­sen The­men offen umgeht.

Der größ­te Punkt aber, der uns rich­tig auf den Keks geht, ist die Sport­ge­richts­bar­keit. Wir spre­chen die­sem Gericht jede Legi­ti­ma­ti­on ab. Der DFB ist ein Staat im Staat mit sei­nen eige­nen Regeln und Geset­zen, die er nach Her­zens­lust sel­ber umgeht, bricht oder ein­fach igno­riert. Ande­re Ver­ei­ni­gun­gen wür­den von ordent­li­chen Gerich­ten die­ses Lan­des als kri­mi­nel­le Ver­ei­ni­gung ver­ur­teilt. Nicht aber der DFB, denn er hat sich ein so gro­ßes Netz­werk auf­ge­baut, sodass ihm auch Steu­er­hin­ter­zie­hung im gro­ßen Stil sei­nen Sta­tus nicht strei­tig macht.

Was wir sel­ber mit unse­rem Ver­ein vorm Sport­ge­richt schon alles erle­ben durf­ten, ist atem­be­rau­bend. Als wir aus dem DFB-Pokal aus­ge­schlos­sen wur­den, woll­ten wir bis zur letz­ten Instanz gehen, um die Sache end­lich gericht­lich prü­fen zu las­sen. Dass es nicht soweit kam, war bis heu­te die größ­te Fehl­ent­schei­dung auf einer Mit­glie­der­ver­samm­lung der SG DYNAMO DRESDEN. Man hat sich, so ehr­lich müs­sen wir sein, um den Fin­ger wickeln las­sen. Abma­chun­gen und Ver­spre­chun­gen wur­den nie ein­ge­hal­ten — wel­che Überraschung!

Es ist wie immer in die­ser Gesell­schaft. Der Adel gibt dem armen Mann für die nächs­ten drei Mona­te genug zu essen, bis er wie­der am Tropf hängt und wenn er wie­der unbe­quem wird, gibt es die nächs­te gro­ße Rati­on. So hält man die Mas­se still, ver­dient mun­ter wei­ter und lebt in einer Liga, die nur für aus­er­wähl­te bestimmt ist. Die­ser Kreis­lauf muss gebro­chen wer­den! Wir müs­sen und dür­fen uns nicht mehr ein­schüch­tern las­sen! Stellt For­de­run­gen, kämpft für eure Wer­te, kämpft für Mei­nungs­frei­heit, stellt euch dem Kom­merz und die­sen mafiö­sen Struk­tu­ren beim DFB ent­ge­gen! Wir müs­sen mit denen in die­sem Land, die genau­so den­ken wie wir, wie­der auf die Stra­ße gehen. Wir brau­chen ver­trau­ens­vol­le Gesprä­che mit Per­so­nen, die uns ernst nehmen.

Wir sind gespannt wie es nun wei­ter geht. Der DFB wird nach Wegen suchen uns so hart wie mög­lich zu bestra­fen und wie immer dabei die Vor­ga­ben unse­res Rechts­staa­tes igno­rie­ren. Auf­hal­ten wird uns das aber nicht.

 

ULTRAS DYNAMO & die akti­ve Fan­sze­ne der SGD