ULTRAS DYNAMO

Die „Ultras Dynamo“ zählen zu den bekanntesten Fangruppierungen der SG Dynamo Dresden. Ohne zu übertreiben, können wir behaupten, wie kaum eine andere Gruppe die Fanlandschaft in Dresden geprägt zu haben. Im Folgenden soll ein chronologischer Überblick zur Entwicklung der Gruppe und ihrer Einflüsse auf Fanszene und Verein erfolgen. Die Erläuterung unserer Ziele und die Beantwortung häufiger Fragen, ermöglichen dann ein relativ weitläufiges Bild über uns.

Nach dem Zwangsabstieg Dynamo Dresdens von der 1. Bundesliga bis hin in die Regionalliga Nord, im Jahr 1995, veränderte sich die Fanstruktur in Dresden radikal. Drängten sich in den 80ern noch bis zu 40.000 Zuschauer bei einem internationalen Spiel gegen Rom, München oder Glasgow, so waren es in der RLN durchschnittlich nur 5.000 Menschen, die sich Partien gegen Altmark Stendal, den Spandauer SV oder den FSV Optik Rathenow ansahen. Dementsprechend zog eine große Lethargie unter den verbliebenen Fans ein. Das berüchtigte Schwarz-Gelbe Fahnenmeer blieb fortan aus. Stimmung war nicht mehr vorhanden. Die einzige Abwechslung bot sich in den Derbys gegen die Kontrahenten der ehemaligen DDR Oberliga. Sportlich nur mäßig begeisternd, war dies vor allem ein Schauplatz für exzessive Ausschreitungen. Dies begünstigte den weiteren Zerfall der Fanszene und Fankultur. Im Jahr 2000 schließlich musste Dynamo erneut eine Liga tiefer absteigen.

Trotz oder eher gerade wegen all dieser Tiefschläge und der zu diesem Zeitpunkt mehr als schlechten Ausgangslage versuchten mehrere Gruppierungen die historisch gewachsene Fankultur in Dresden am Leben zu erhalten und ihr neue Impulse zu verleihen. Die Gruppen „Commando Elbhorde“ und „Eastside Dresden“, sowie später die „Yellow Madness“ und das „Dynamo Geschwader“ versuchten den Stadionalltag bunter zu gestalten. Sie orientierten sich dabei auch an den Tifosi aus Italien, welche mit dem Ultra’-Gedanken eine völlig andere und spektakuläre Art der Unterstützung betrieben. Vorrangig wurden vor allem mit dem ungehemmten Einsatz von Pyrotechnik, aber auch der gezielten Animation von Stimmung durch ein Megafon, und Gehversuchen in der Anfertigung von Choreographien, eine Verwirklichung italienischer Verhältnisse im bis dato quasi toten RHS angestrebt. Schnell wurde allerdings erkannt, dass es nur gemeinsam funktionieren kann. So wurden aus oben genannten Gruppen und einigen Einzelpersonen am 03.12.2000 die „Ultras Dynamo“ (UD) gegründet.

Aller Anfang war schwer, aber die Motivation umso größer. Erste Hürde waren die Missverständnisse zwischen den nun zwei Welten des Fanlebens. Diese entstanden vor allem im Rahmen der akustischen Unterstützung. Einerseits wollten wir uns ja im Block als tonangebende Instanz behaupten, andererseits wollten wir auch niemanden vor den Kopf stoßen. Doch wenn jugendlicher Leichtsinn auf Alterssturheit trifft, sind die Konflikte vorprogrammiert. Aus heutiger Sicht sind jene Auseinandersetzungen im Vergleich zu denen mit den zu Top-Spielen zahlreich in Erscheinung tretenden Eventfans aber geradezu nichtig. Nichtsdestotrotz wirkte UD lange wie in Fremdkörper im Block. Nachdem man sich aber auf einen festen Standpunkt geeinigt hatte, steigerte sich auch die Anzahl an willigen Fans, die sich der akustischen Unterstützung der Mannschaft und des Vereins hingaben. Ein weiterer Meilenstein war sicherlich, dass sich ein Jugendlicher aus unseren Reihen eines Tages auf den Zaun schwang und die Lieder als so genannter Capo vorgab. Ab diesem Moment gab es mehr Koordination und auch die ein oder andere straffe Ansage dieses Herrn ließ den K-Block neu aufleben. Eine berechtigte Kritik, war und ist, dass wir wenig kreative und lange Gesänge vorgeben, sondern mehr oder minder nur einfache Gassenhauer. Aber ebenso wurde uns schon immer ein überordentlich hohes Maß an Geschlossenheit und Lautstärke im Block bescheinigt.

Ein schwieriges Unterfangen stellte auch die Durchführung von Choreographien dar. Dem Publikum war nicht bekannt, was mit Zetteln, Folien oder Kassenrollen anzufangen ist. Die zeitlich und örtlich richtige Anordnung dieser Elemente war Anfangs nur sehr schwer sicherzustellen. Da im Tal der Ahnungslosen das Internet nur Exoten zugänglich war, konnten sie ja auch schwer nachvollziehen, was das letztlich alles im Gesamtbild darstellen soll. Eine Lösung stellte die Anfertigung von zahlreiche Fotocollagen mit den besten Szenen abseits des Spielfeldes dar.

Positiver Nebeneffekt solcher Collagen war, dass die Stadiongänger ihren Kumpels zeigen konnten, was bei Dynamo los war. So konnte unsere Gruppe und der K-Block einen stetigen Zulauf verzeichnen. Noch weiter forciert wurde dies durch selbstgefertigte Spielankündigungen, welche verteilt oder in der Stadt plakatiert wurden. Der notorisch klamme Verein konnte sich zu diesem Zeitpunkt keine eigenen Ankündigungsplakate leisten. Wir haben daher definitiv einen Anteil daran, dass die Zuschauerzahlen wieder stiegen.

In der Aufstiegssaison 2001/2002 lief alles wie am Schnürchen. Die akustische Unterstützung stimmte, die Choreographien wurden besser und es gab eine vergleichsweise große und zu jedem Spiel anwesende Masse an Leuten. Da die Auswärtsfahrten in dieser Liga oft nur wenige Stunden dauerten, war auch dort stets eine große Masse mit dabei und sorgte für das gemeinsame Erlebnis „Auswärtsfahrt“. Zum Aufstiegsspiel gegen die Hertha Amateure führten wir erstmalig eine Choreo über die gesamte Stehplatzkurve durch. Ab diesem Spiel schafften wir es zudem das halbe Stadion in den Support einzubeziehen, auch wenn es am Anfang nur Klatschrythmen und äußerst einfache Lieder waren.

Auch abseits der Spielbegegnungen wurde UD bald aktiv. Durch den Schuldenberg aus der Otto-Zeit und völligem Chaos in der Buchhaltung drohte dem Verein kurzzeitig die Insolvenz. Wir halfen daher beim Sammeln von Spenden und bei der Durchführung einer Demonstration, die schließlich die Stadt Dresden zum Ausstellen eines Darlehens bewog. Da das RHS von den Stadtvätern dem völligen Verfall freigegeben wurde, halfen wir bei der Instandhaltung des Stadions.

Seit 2001 besteht auch die Freundschaft zu Red Kaos, den Ultras von der BSG Sachsenring Zwickau. Einige Mitglieder unserer Gruppen liefen sich wiederholt über den Weg und stellten fest, dass „die anderen“ auf einer Wellenlänge liegen. Nach einigen gegenseitigen Spielbesuchen und gemeinsamen Partys wurde eine offizielle Freundschaft der Ultra’-Gruppierungen besiegelt. Es sollten etliche Spielbesuche folgen, immer wieder fährt eine große Anzahl Dresdner nach Zwickau und von Red Kaos schaut eigentlich ständig eine Abteilung in der Landeshauptstadt vorbei. Eine Fanfreundschaft zwischen den Vereinen gab es davon unabhängig weiterhin nicht.

Die nächsten guten Aktionen haben wir in der Saison 2002/2003 realisiert. Gegen den Chemnitzer FC und den Dresdner SC 1998 hüllten wir wiederum die gesamte Fankurve in Schwarz-Gelb. In diesen Dimensionen waren wir in den unteren Ligen nun eindeutig tonangebend. Die bis dato größte gemalte Choreo wurde zum 50. Geburtstag der SGD gegen den VfL Osnabrück hochgezogen.

Die Saison 2003/2004 gab unserer Gruppe und dem Verein erneut einen enormen Aufschub. Sämtliche Zuschauerrekorde für die unteren Ligen wurden gebrochen, der sportliche Höhepunkt der Saison war der Aufstieg in die zweite Liga. Zum Abschiedsspiel Ulf Kirstens am 16.11.2003 führten wir eine große Choreographie über die gesamte Stehplatzkurve durch (Block J bis M), welche mit einer großen Bengaloshow gekrönt wurde. Ab diesem Zeitpunkt waren wir endgültig im Stadion etabliert und hatten uns einen eigenen Status erarbeitet. Diesen wollten wir nun vermehrt auch dazu nutzten, um Fanpolitik zu betreiben oder zu vertreten. Dazu wurde ab dieser Saison regelmäßig zu allen Heimspielen das „Zentralorgan“ von uns angefertigt und verteilt. Dieses Fanzine sollte neben der langsam wachsenden Website das wichtigste Instrument sein, um über unserer Ansichten zu berichten, Informationen zu verbreiten und Missstände aufzudecken. Die Auflage hat sich von wenigen Duzend Exemplaren auf heute bis zu 1.500 Stück gesteigert.

Die Zweitligazeit, von 2004 bis 2006, stellte einen harten Bruch in der Gruppenentwicklung dar. Um die vergangenen Erfolge noch zu steigern, sollte die Mitgliederzahl erhöht werden. Daher wurde die bisher geschlossene Gruppe nun für alle Interessenten geöffnet. Im nachhinein betrachtet, war dies eine folgenschwere Fehlentscheidung. Viele Neumitglieder steuerten nichts zum Gruppenleben, oder gar zu Choreos bei, sondern schadeten dem Ansehen der Ultras Dynamo Gruppe durch unbedachte Handlungen nachhaltig. Die Gruppe wurde daher bald wieder geschlossen.
Das wohl größte Problem stellte die typische Bundesliga-Publikumsstruktur dar. Anfangs freute man sich noch, dass Dynamo endlich wieder „in“ war und dank der Massen noch größere und bessere Choreos durchgeführt werden konnten. Doch das typische Event-Publikum hatte zum Großteil keinerlei Respekt vor der vorhandenen Fankultur. Personen, die während der Spendensammlungen für Dynamo uns noch den Vogel zeigten, feierten sich nun als die größten Fans überhaupt und waren wenig angetan von diesen „Ultras“. Zum Teil wurde versucht Choreos mutwillig zu zerstören, um vermeintlich eine halbe Minute mehr vom Spiel zu sehen. Im Fanblock (!) wurde gefordert, doch gefälligst Fahnen oder Spruchbänder zu entfernen. Erstmals seit Ewigkeiten verließen Zuschauer bei schlechten Spielen vorzeitig das Stadion. Dies sorgte für große Spannungen.
Eine weitere Schwierigkeit stellte der Generationskonflikt dar, welcher 2005 schließlich beinahe zur völligen Lähmung der Gruppe führte. In Kombination mit den anderen Problemen stand die Auflösung der Gruppe im Raum. Der Nachwuchs konnte den Karren dann zwar rumreißen, musste aber natürlich Lehrgeld zahlen.
Alles in allem war dies eine schwere Zeit, aber förderlich und wichtig für die Erneuerung der Gruppe.

Dass Abstiege für Fanszenen meistens eher positiv sind, sollte sich in der Saison 2006/2007 wieder bestätigen. Der Zusammenhalt in der Szene konnte vor allem durch gemeinsame Zugfahrten wieder gestärkt werden. Dazu stellten wir in dieser Saison zu verschiedenen Auswärtsspielen spezielle Motto-Shirts her, sodass der Dresdner Anhang einheitlich erschien. Ein europaweites Echo rief unsere Aktion zur Verabschiedung der Giraffen hervor. Genau 440 Bengalen versetzten das RHS in einen glutroten Feuerring. Die gesamte Aktion wurde von uns allein finanziert und organisiert.
Ein weiteres Highlight war die Zusammenarbeit mit Dynamo zum SGD-Hallenturnier im Winter 2007. Neben toller Stimmung, vielen Aktion und dem UD-Fanturnier im Anschluss, war dies wohl endgültig der Punkt, an dem aus der Freundschaft der Ultragruppierungen von Zwickau und Dresden, eine vereinsübergreifende Fanfreundschaft wurde.
Erstmals griffen wir auch aufsehenerregend in das Geschehen zur Vereinspolitik ein. Der Paukenschlag gelang uns mit dem Antrag zur Rückbenennung Dynamos in SG Dynamo Dresden. Dank der Unterstützung zahlreicher Fanclubs und Fans wurde dieser Antrag mit der erforderlichen doppelten Mehrheit angenommen. Des Weiteren waren wir an der Unterschriftenaktion für eine AOMV beteiligt, bei der damalige Präsident Rudi Rede und Antwort zu einigen vergangen Äußerungen und Taten stehen sollte. Der Antrag wurde wegen eines angeblichen Formfehlers zwar abgewiesen, Rudi trat dann aber auf eigenen Wunsch zurück. Außerdem beteiligten wir uns an einer großen Demo Eine für Baustart des Stadions, welchen die Stadt seit Jahren hinauszögerte. Ein die Fanszene im Allgemeinen betreffender Meilenstein, war unserer Idee der „Fangemeinschaft Dynamo“. Nachdem wir diese Fanvertretung auf Probe aufbauten, konnten wir weitere Fans von dem Konzept überzeugen. Im Juni 2007 wurde die Fangemeinschaft Dynamo e.V. offiziell im Rathaus Dresden gegründet. Die Interessenvertretung aller Fans und Fangruppierungen agiert seitdem unabhängig von UD.

Neben allem Licht in dieser Saison, gab es aber auch Schatten. Finstere Schatten. Auf den durch die WM06 gestarteten Zug den Hooligan-Hysterie-Welle sprangen natürlich auch die Lokalmedien in Dresden und Umgebung vollends auf. Jede sich bietende Gelegenheit und auch jede sich nicht bietende Gelegenheit wurde genutzt, um die Dresdner Fans als Unmenschen darzustellen und den Begriff „Ultras“ komplett sinnentwendend zu missbrauchen. Kaum eine Woche verging, ohne das unserer Gruppe auf Falschbehauptungen von Medienvertretern reagieren musste.
Selbstverschuldet waren die Pressereaktionen nach dem so genannten Trainingsbesuch, an dem sich auch Mitglieder unserer Gruppe beteiligt hatten. In einer hitzigen Debatte wurde den Spielern gegenüber der Unmut über die vergangenen, grausigen Spiele offenbart. Es war aber auch ein Lehrbeispiel der Pressearbeit. Zu sehen wie von Redaktion zu Redaktion eine Geschichte fantasievoll ausgeschmückt wurde, war erschreckend. Bei der ARD angekommen, wurde behauptet, dass mehrere Schusswaffen abgefeuert und die komplette Mannschaft verprügelt worden sei. Schuldig an dieser neuen Form der Kriminalität seien natürlich die Ultra’-Fans gewesen.

Die „Bild“-Zeitung nahm dieses Thema mit Kusshand auf, vertritt sie doch seit jeher undemokratische und erzkonservative Ansichten. Auslöser einer bis heute andauernden Kampagne war wohl die Stimmensammlung zur Rudi-Abwahl. Fortan wurde immer wieder gewarnt, dass sich die Ultras in den Verein einmischen, ihn unterwandern wöllten und was nicht sonst noch alles. Dabei haben wir lediglich Vereinsdemokratie ausgelebt und dieselben Rechte genutzt die jedes Mitglied hat. In weiteren Artikeln dieser „Zeitung“ wurden die Ultras Dynamo immer wieder als Hooligans bezeichnet. Als zum Spiel gegen Magdeburg den Dresdner Anhängern deutlich weniger Karten offeriert wurden als ihn zustand und zudem die Tageskassen für Dresdner geschlossen werden sollten, riefen wir alle Fans dazu auf, ihr durch das Grundgesetz geschütztes Recht auf Freizügigkeit zu nutzen, und auch ohne Karte nach Magdeburg zu reisen. Notfalls hätte man sich vor Ort eben in Sportkneipen gesetzt. Dieser Aufruf wurde von der „Bild“-Zeitung nicht nur als gezielte Provokation der Sicherheitskräfte betitelt, sondern für sie war auch klar; „die Ultras provozieren Randale“.
Das die Internet-Trolle solche Meldungen zum Anlass nehmen um anonym im Vereinsforum den Verbot von UD zu fordern, bedarf keiner weiteren Erläuterung.

Nach großen Anstrengungen hatten es die Schreiberlinge der Dresdner Blätter dann auch endlich geschafft. Der Hauptgeschäftsführer Köster wurde, nach ihren Angaben unter anderem wegen seiner Zusammenarbeit uns Ultras, im Sommer 2007 entlassen. Für ihn wurde Herr Maas eingesetzt. Waren die ersten Gespräche noch äußerst positiv, sollte sich dies bald radikal ändern. Als zahlreiche kleine Fahnen von uns wegen angeblicher „für Dynamo nicht positiver Inhalte“ eingezogen und unerwartet eine neue Stadionordnung verabschiedet wurde, die unter anderem das Tragen von von uns produzierten Shirts vorsah, war der erste Krach perfekt. Eine von uns durchgeführte Demonstration zum Erhalt der Fankultur wurde zum Anlass genommen, den gerade erst eingestellten Fanbeauftragten, der uns bei den rechtlichen Fragen für die Demo zur Seite stand, kurzerhand wieder zu entlassen. Das Fass zum Überlaufen brachten die Ereignisse zum Spiel gegen Wuppertal. Dabei wurde unsere Heimfahne auf Anweisung der Geschäftsführung von den Sicherheitskräften vom Zaun gerissen. Die Geschäftsführung verschickte dann sogar noch Briefe, in denen sie uns Ultras Dynamo, absichtlich diskeditierte. Außerdem wurde ein Maßnahmenkatalog verabschiedet, der uns den Verkaufsstand im Stadion verbot, eine generelle Zensur oder Verbote von Spruchbändern, Fahnen und Magazinen vorsah, diverse Stadionverbote zur Folge hatte und die Durchführung von Choreographien unmöglich machte. Fortan wurden sämtliche Publikationen von uns nur noch vor dem Stadion verteilt, Choreos fanden nur noch auswärts statt und es wurde vermehrt die Dritte Mannschaft unterstützt.
Bei einem durch uns organisierten zweiten Dynamo-Stammtisch, am 24.11.07 im UFA Kino, wurden die Unstimmigkeiten, welche sich durch die andauernden Probleme innerhalb der Fanmassen ergaben, diskutiert. Auch wurden Wege aus Situation „Verein gegen Fans“ gesucht. Durch die anwesenden Fans, Mitglieder und Sponsoren (die Geschäftsführung ließ sich leider entschuldigen), wurde für die Verabschiedung einer Fancharta gestimmt. Den Entwurf dazu übergaben wir der Fangemeinschaft Dynamo, die an diesem Abend dazu legitimiert wurde, stellvertretend für die Fans die Inhalte der Charta mit dem Verein zu verhandeln.

Doch auch die Fangemeinschaft muss den Vereinsvertretern ein Dorn im Auge gewesen sein. Der Antrag, den seit einem Jahr unbesetzten Aufsichtsratposten des nicht mehr existenten Fanprojekt Dynamos (jetzt Fanprojekt Dresden) an einen Vertreter der Fangemeinschaft zu übertragen, wurde mit allen Mitteln bekämpft. Inzwischen war die Meinungsmache soweit, dass die reine Mitgliedschaft von Ultras in der Fangemeinschaft einer der Kritikpunkte gegen die Fanvertretung darstellen sollte. Den Dynamomitgliedern war diese Stümperei jedoch egal und so wurde der Antrag mit großer Mehrheit angenommen.
Ein weiterer Versuch die Stellung der Fangemeinschaft untergraben, stellte die Einführung „Offizieller Dynamo Fanclubs“ dar. Da die offiziellen Fanclubs nicht nur durch Auflagen reguliert wurden, sondern auf diese Weise den Meinungen von Vereinsvertretern zu Folge, eine Einteilung in gute und schlechte Fans erfolgen sollte, entwarfen wir ein Gegenmodell. Die „inoffiziellen Dynamo Fanclubs“ konnten sich ohne Auflagen oder die Erfassung persönlicher Daten bei uns registrieren. Es hatten sich fast 70 Fanklubs eingetragen, welche unter anderem mit Shirts oder Stickern auf Fahnen, ihren Unmut über das Fankonzept der Vereinsführung ausdrückten.

In der Rückrunde 2008 riefen wir vermehrt dazu auf, die Spiele der Dritten Mannschaft zu besuchen. Frei von Ordnern, Polizei oder Auflagen der Vereinsführung war dort die akustische und optische Unterstützung fast uneingeschränkt möglich. Ein Highlight war die „Aktion 1.000“. Angeregt durch einen uns seit Ende 2007 unterstützenden Verein, wollten wir zu einem Spiel der Dritten Mannschaft, sonst besucht von zirka 100-250 Personen, an die 1.000 Zuschauer anlocken. Dank Werbung und viel Mundproganda konnte dieses Ziel schließlich erfüllt werden. Die Krönung einer tollen Zeit mit der Dritten Mannschaft war der Gewinn des Bezirkspokals im Sommer 2008. Wir organisierten mehrere Choreos und konnten mit Hilfe zahlreicher mitgereister Fans eine fantastische Stimmung schaffen.

Soweit zur historischen Entwicklung unserer Gruppe. Diese ist bei weitem nicht vollständig, viele Themen und Ereignisse wurden gar nicht erwähnt. Wir empfehlen bei weiterem Interesse unsere Zentralorgan-Saisonhefte, sowie das Buch „Schwarzer Hals, Gelbe Zähne“. Choreos können in unserem Bilderarchiv eingesehen werden.